Stefan Koslowski

B

    ereits im Juli 2017
    veröffentlichte der
    chinesische Staatsrat den

sogenannten „Entwicklungsplan für künstliche Intelligenz der neuen Generation“. Innerhalb des kommenden Jahrzehnts will die Regierung eine KI-Industrie im Wert von über 150 Milliarden Euro aufbauen, um bis zum Jahr 2030 in diesem Bereich Weltmarktführer werden. Allein in den drei Jahren zwischen 2018 und 2021 soll sich das Marktvolumen von KI-Anwendungen dann verzehnfacht haben. Vielen Länder sehen diese Entwicklung mit Sorge, obwohl sie nicht allzu viel dafür tun, den Anschluss im Wettbewerb zu verteidigen oder gar auszubauen, denn: Aktuell haben die USA, Großbritannien und sogar Deutschland gegenüber China noch einen Vorsprung bei KI, der allerdings zusehends schrumpft.

Vor allem aufgrund der geringen Löhne hat China riesige Vorteile gegenüber Wettbewerbern wie den USA und Europa. Das Land besitzt bereits seit 2018 eine Schule für KI, die von der „University of the Chinese Academy of Sciences (UCAS)“ ins Leben gerufen wurde. Auch KI-Lehrbücher für Schüler werden bereits in Schulen ausgehändigt. Im Wissenschafts- und Technologiepark Bainiaohe Digital Town 50 Kilometer von der Hauptstadt von Guizhou Guiyang arbeiten unablässig hunderte Berufsschulstudenten, um Fotos zu kennzeichnen und Sprache zu analysieren. Die generierten Daten werden dann für Projekte im Bereich Gesichts- und Spracherkennung sowie autonomen Fahren genutzt. Künstliche Intelligenz liegt in China allerdings in der Hand der Regierung: Gerade die Überwachung durch Millionen „intelligenter“ Videokameras macht jedoch vielen Ausländern von in China ansässigen Unternehmen Sorgen. KI-Technologien werden längst dazu eingesetzt, großflächig Bewegungsprofile zu erstellen. Während westliche Staaten die Technologie vor allem nutzen, um Terroristen oder Menschenhändler dingfest zu machen, versucht die chinesische Regierung, jeden der 1,4 Milliarden Bürger ins Visier zu nehmen. Für viele Nicht-Chinesen ist KI in den Händen der chinesischen Regierung daher ein unliebsamer Gedanke.

KI als bedeutender Wirtschaftsfaktor für China

Wer sich Chinas Internet-Giganten einmal genauer anschaut, dem wird schnell klar, welche Bedeutung KI in China in den nächsten Jahren zukommen wird. Während sich Deutschlands Internetnutzer lange Zeit mit neuen Anwendungen schwergetan haben und auch heute noch viele Dinge mit ihrem Desktop-Computer erledigen, sind 80 Prozent der Chinesen „mobile first“ unterwegs; so werden nahezu alle Einkäufe per Handy bezahlt. Die Dynamik zeigt sich auch in der Verschiebung der globalen Machtverhältnisse: 2013 kamen von den 20 wertvollsten Internetunternehmen lediglich zwei aus China, 2018 waren es schon neun. Die Regierung des Landes der Mitte erwartet, dass Unternehmen und Forschungseinrichtungen bereits 2021 auf dem gleichen Niveau wie führenden KI-Länder – namentlich die USA – sein werden. Schon vier Jahre später sollen große Durchbrüche bei ausgewählten KI-Technologien erreicht werden. Diese sollen den Antrieb für die wirtschaftliche Transformation liefern. Spätestens 2030 will China das weltweit führende KI-Innovationszentrum sein, wodurch die eigene Rolle als wirtschaftliche Großmacht gestärkt werden soll. Zunächst soll die Entwicklung von intelligenten Produkten wie vernetzten Fahrzeugen und intelligenten Service-Robotern sowie technologischen Durchbrüchen im Bereich Netzwerk-Chips, intelligenter Fertigung und bei dem 5G-Internet erreicht werden.

Muss die Welt Chinas KI-Dominanz fürchten?

Die Gründe für Chinas Bestreben, Weltmarkführer für KI zu werden sind nationale und wirtschaftliche Interessen sowie Interessen der eigenen Sicherheit. Doch für Anwender von KI-Technologien aus China, etwa aus den Bereichen der Logistik, Prozesssteuerung und Supply Chain Management, werden die geo-strategischen Interessen und die Expansionsstrategien Chinas zunehmend zum Problem. Wenn das Land beispielsweise entscheidet, landesweite medizinische Daten zu erheben, dann wird das umgehend durchgeführt. In den USA und anderen westlichen Ländern entstehen sofort Bedenken über die Privatsphäre. Dennoch wird die zukünftige Dominanz Chinas in der KI-Technologie nicht aufzuhalten zu sein. Experten befürchten, dass der Vorsprung auch nicht mehr aufzuholen ist, zu groß sind die Ressourcen, die China in Finanzen und Arbeitskräften investiert. Dennoch führt auch für Europa und Deutschland kein Weg daran vorbei, sich der Entwicklung von KI zu stellen. Einerseits um den großen Markt dafür nicht komplett an China zu verlieren, andererseits auch, um eine Autarkie zu erlangen, um nicht komplett einem Monopol ausgeliefert zu sein.

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