Stefan Koslowski

M

    an spürt gleich, diese
    Dame ist von Porzellan
    nicht nur begeistert,

sondern sie ist Expertin. Die Kunsthistorikerin Dr. Ingeborg Becker, ehemalige Direktorin des renommierten Bröhan-Museums in Berlin, kommt ins Schwärmen, wenn sie vom „weißen Gold“ berichtet. Eine ganz besondere Beziehung hat sie zur Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), der Traditionsmarke, die 1763 von Friedrich dem Großen gegründet wurde, und eine der ganz wenigen großen Porzellanmanufakturen ist, die heute noch besteht.

Ein Grund dafür ist, dass KPM immer den Brückenschlag zwischen Historie und Moderne gelungen ist und in vielen Stilepochen erfolgreich war. Von Rokoko über Klassizismus, von Jugendstil zu Bauhaus bis in die Gegenwart, war es immer etwas Besonderes, ein Service, eine Vase oder Einzelfigur dieses Traditionsunternehmens zu besitzen.

Besonders zu Zeiten Friedrich des Großen war Porzellan ein Luxusgut, das nur wenigen Menschen vorbehalten war. Friedrich war so begeistert davon, dass er sich als seinen besten Kunden bezeichnete. Dass er auch sehr großzügig sein konnte, zeigt die Beziehung zwischen ihm und Katharina der Großen. Die beiden kannten sich seit Katharinas ersten Reise von Anhalt-Zerbst nach Russland. Als sie später eine Allianz schlossen, um in Europa ihren Anspruch zu festigen, hatte ihr Friedrich einen Tafelaufsatz geschickt – prunkvoller Schmuck einer höfischen Tafel mit zahlreichen Figuren. In der Mitte war die thronende Zarin zu sehen, um sie herum verschiedene Figuren, die einen Bezug zu ihr, aber auch zu Geschichte, Krieg und Frieden hatten; so wurde Katharina mit ihren Tugenden und Eigenschaften widergespiegelt. Allein die Produktion dieses Tafelaufsatzes dauerte über zwei Jahre, und dieses große Kunstwerk mit über 200 verschiedenen Figuren nach Russland zu verschicken, war eine große logistische Leistung.

Seit der Gründung von KPM ist viel passiert. War das Unternehmen früher staatlich, so hat es der Bankier, Unternehmer und Porzellanliebhaber Jörg Woltmann 2006 privat übernommen und dadurch die Traditionsmarke vor der Insolvenz gerettet. Unabhängig von den Herausforderungen der einzelnen Epochen, hat die Manufaktur seit jeher ein besonderes Alleinstellungsmerkmal, da immer eine klare und moderne Formgebung vorhanden ist. Die lässt sich auch auf die heutige Zeit übertragen, denn das Design ist stets von klassischer Eleganz und zeitlos schön.

Doch gut Ding will Weile haben, und so dauert es eine lange Zeit, um eine Kollektion zu entwickeln. Die neue Kollektion „Berlin“ von Enzo Mari, dem berühmten Designer und Objektkünstler, hat von den ersten Entwürfen bis zur Fertigung drei Jahre gedauert. Es musste viel ausprobiert werden, bis die Entwürfe in der Produktion umgesetzt werden können. Das alles ist sehr aufwendig und macht viel Arbeit, bis ein perfektes Ergebnis entsteht. Dabei ist die Arbeit in einer Manufaktur sehr anspruchsvoll, denn Präzision und Erfahrung sind gefragt. Die Tätigkeit ist naturgemäß sehr handwerklich, man macht sich schmutzig, und es ist auch schwierig, mit den Öfen zu hantieren. Was die wenigsten Menschen wissen: Eine Ausbildung als Porzellanmaler dauert bis zu sieben Jahren.

Aber was ist das Erfolgsrezept für eine Marke, die es seit über 250 Jahren gibt? Dr. Ingeborg Becker ist sich sicher, dass es auch an dem Entstehungsort der KPM in Berlin bzw. Preußen liegt; das hatte immer einen etwas strengeren, nüchternen Charakter, als beispielsweise das höfische Dresden – Berlin war da immer schneller und moderner, erklärt die Kunsthistorikerin.

Früher war Porzellan war immer Luxus für wenige, heute wird versucht, eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne zu schaffen, um mehr Menschen zu begeistern. Dabei gibt es den typischen Porzellankunden gar nicht, denn es hat nicht mehr den Stellenwert bei jüngeren Menschen, die ihr Geschirr lieber bei einem schwedischen Möbelhersteller kaufen.

Dennoch wird Porzellan eine Zukunft haben, weil es immer Menschen geben wird, die es schätzen werden; wer eine gepflegte Gastlichkeit mag, kommt nicht darum herum. Porzellan wird seine Faszination niemals verlieren, denn es ist auch mit unserer Kultur verbunden, und KPM hat immer den Anschluss an die Moderne gefunden und viel für die Bereicherung der Alltagskultur geleistet, da es aus Tradition modern ist.

Ähnliche Artikel

Luxusreisen in Europa: 2. Etappe: Frankreich – Italien – Spanien

Luxusreisen in Europa: 2. Etappe: Frankreich – Italien – Spanien

F rankreich Leben wie Gott in Frankreich, wer möchte das nicht? Die Möglichkeiten sind glücklicherweise vielfältig und für einige darf eine Reise zu unseren Nachbarn auch gern luxuriöser ausfallen. Paris Wer schon die Anreise nach Paris luxuriös gestalten möchte, für...

Schloss Ballenstedt: Tradition und Lebensfreude

Schloss Ballenstedt: Tradition und Lebensfreude

Eduard Prinz von Anhalt D as Pflegen von Traditionen wird auf Schloss Ballenstedt seit jeher großgeschrieben, umso schöner, wenn es gleich zwei gute Gründe gibt, diese feierlich zu begehen. So wurde bei einer Doppelveranstaltung bei schönstem Maiwetter die Investitur...

Michele Tiziano: Die Jahrhundertstimme / Künstler und Kunstsammler

Michele Tiziano: Die Jahrhundertstimme / Künstler und Kunstsammler

Stefan Koslowski K unst kommt von Können – wer kennt nicht diesen berühmten Satz? Wenn es einen lebendigen Beweis für diese These gibt, dann sitzt er gerade vor mir: Ich bin mit Michele Tiziano bei seinem Stamm-Italiener in Berlin verabredet. Eine passende Location,...

Luxusuhren: Zeit für guten Geschmack

Luxusuhren: Zeit für guten Geschmack

Stefan Koslowski W er kennt das nicht: Bei dem Blick auf unseren Terminkalender fühlen wir uns durchgetaktet und wundern uns, wo die Zeit geblieben ist. Dabei reicht in der heutigen, schnelllebigen Zeit ein kurzer Blick auf das Handy, um zu sehen, was die Stunde...

Voll im Trend: Ein eigenes Buch schreiben (lassen)

Voll im Trend: Ein eigenes Buch schreiben (lassen)

Stefan Koslowski I mmer mehr Unternehmer entdecken das Buch für ihre erfolgreiche Eigen-PR Der berühmte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick stellte einst fest, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Umso wichtiger ist, es die richtigen Kommunikationskanäle...

Qualität und Genuss kennen keine Kompromisse

Qualität und Genuss kennen keine Kompromisse

Stefan Koslowski F rank Maruccia schaut sich den Rotwein in seinem Glas an, schwenkt ihn etwas, riecht ausgiebig, um das Bouquet aufzunehmen, danach probiert er genussvoll einen kleinen Schluck. Man sieht, der Mann versteht etwas von einem guten Tropfen. Kein Wunder,...

Urlaub mit Rückenwind

Urlaub mit Rückenwind

Felix Wolf S icheres Reisen muss nicht langweilig sein! Seit jeher war das Reisen und Erkunden ein Grundbedürfnis des Menschen. Die Saison 2020 hat gezeigt, dass während der Covid-19-Hysterie das Mieten von Booten eine der beständigsten Formen des Urlaubs mit Familie...

Welcome to La Gaviota

Welcome to La Gaviota

D iese Luxus-Villa in direkter Meereslinie mit atemberaubendem Ausblick auf die „Islas de las Malgrats“ zeichnet sich durch ihre aussergewöhnliche Lage und Architektur aus. Eine schwebende Möwe und die eleganten Schwünge verschieden großer Radien diente dem...

Dr. Paterok: Länger jung bleiben

Dr. Paterok: Länger jung bleiben

Stefan Koslowski D ass es attraktive Menschen im Berufsleben leichter haben als andere, ist eine oft gehörte Alltagsweisheit, und in der Tat zeigt eine Vielzahl human- und sozialwissenschaftlicher Studien, dass die äußere Erscheinung eines Menschen einen nachhaltigen...