Eduard Prinz von Anhalt

W

    enn davon die Rede ist, dass der Adel
    wieder einmal große Feste feiert,
    denken die meisten Menschen an

Traumhochzeiten, die im Fernsehen übertragen werden. Wer weiß das besser als Eduard Prinz von Anhalt, dem Oberhaupt der Askanier, der in der Vergangenheit häufiger als Adels-Experte von royalen Hochzeiten wie der von Prinz William und Kate Middleton oder dem niederländische Thronwechsel berichtet hat.

Aber auch in eigener Sache weiß Prinz Eduard bildhaft zu berichten, beispielsweise von der letzten Investitur auf Schloss Ballenstedt, die im September 2021 stattgefunden hat. Zugegeben, von einer Investitur haben die wenigsten Menschen bislang gehört, daher die Frage, was das eigentlich ist?

Prinz Eduard erklärt, dass es sich um eine Ordensverleihung handelt, in diesem Fall für den Orden „Albrecht der Bär“. Dieser eroberte das slawische Brandenburg, seine Enkel gründeten Berlin und verliehen der heutigen Hauptstadt in Ehrung des Großvaters den Bären als Wappentier. Albrecht war aber nicht nur ein Eroberer, sondern auch ein großer Diplomat und reiste für den Kaiser zu viele geheimen Missionen nach Rom und Byzanz. Albrecht der Bär war ein wichtiger Vorfahre, auf den man stolz sein kann und deshalb Namensgeber für den Hausorden bis heute, wie Prinz Eduard bemerkt.

Die Investitur findet jährlich an Albrechts Grabstätte in Prinz Eduard Geburtsschloss Ballenstedt in Sachsen-Anhalt statt. Der Gedanke ist, dass Menschen, die sich für seine Familie der Askanier und den Erhalt ihrer Kultur interessieren und einsetzen wollen, eingeladen werden, um diese zu unterstützen. Bei dieser Feier lernen sich die unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt kennen; man prüft und beschaut sich und hat die Gelegenheit festzustellen, ob die persönliche Mitgliedschaft im Orden für alle Beteiligten passt. Ist das der Fall, wird der Kandidat im Jahr danach von Prinz Eduard zum Ritter geschlagen.

Die Anzahl der Bewerber wird von Jahr zu Jahr immer größer. Dabei handelt es sich nicht um eine reine Männerrunde, sondern es werden auch Paare und einzelne Damen, wie beispielsweise eine Museumsdirektorin, die sich um die Wiedereinrichtung des Schlosses verdient gemacht hatte, zwar nicht als Ritter*innen, sondern als Ordensdamen aufgenommen. Beispielsweise ist dank der Hilfe der Kunsthistorikerin Frau Dr. Ingeborg Becker das Schloss Ballenstedt sowie das mittelalterliche Städtchen zu ein Touristenmagnet geworden.

Insgesamt gibt es 46 Ordensmitglieder sowie Förderer aus Wirtschaft, Politik und Kultur, welche die Projekte finanziell – wie der Bruder des Sultans von Dubai – oder mit Fachwissen – wie der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Christian Thielemann – unterstützen.

Die Investitur findet jeweils einmal im Jahr an einem Wochenende statt. Es beginnt mit einem ersten Kennenlernen und Abendessen am Freitagabend. Samstag folgt eine Pressekonferenz vor der örtlichen Presse, und dann beginnt die eigentliche Investitur mit Kutschfahrt oder zu Fuß vom Hotel hinauf zum Schloss. Im Schlosshof ist die erste Station ein Findling aus Harzer Grauwacke, in die Prinz Eduard eine Urne mit Erde aus dem Massengrab seines Vaters eingelassenen hat. Prinz Eduards Vater, der letzte regierende Herzog von Anhalt, wurde dieses Jahr vor 120 Jahren geboren. Er war der einzige deutsche Monarch, der im 20. Jahrhundert zur Welt kam und auf den Thron gesetzt wurde. 1947 verstarb er im stalinistischen Sonderlager Buchenwald und wurde in ein Massengrab geworfen. Diesem entnahm Prinz Eduard 1992 Erde, tat sie in eine Urne und brachte seinen Vater damit symbolisch zurück in die tausendjährige Heimat. Die zweite Station auf dem Schlosshof ist die Statue von Albrecht dem Bären, der in einer Rüstung dasteht und nach Osten schaut, wohin er einst aufbrach Brandenburg zu erobern. Sein Antlitz hat der Künstler Prinz Eduard nachempfunden. Albrecht ist von seinem Sockel gestiegen und steht unter den Menschen, denn er war ein Volksfürst. Danach geht es weiter zu seinem Grabmal, wo die Teilnehmer Blumen niederlegen und dann in die Kapelle des Schlosses, wo Prinz Eduard 1942 getauft wurde, in der jetzt die Ordensverleihung stattfindet. Am Abend folgt abschließend das Gala Dinner, wo jeder seinen Orden trägt, aber in einer fröhlichen und entspannten Atmosphäre, die das Wochenende der Ordensverleihung für alle Ordensträger und Ordensträgerinnen zu einem erfreulichen Ereignis werden lässt.

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